Autonomes Fahren: Einblicke in das Artemis-Projekt bei Audi

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Eine seriennahe Designskizze, die von der SZ erstmals veröffentlicht wird, zeigt, wovon der Gestalter spricht: Gegenläufig öffnende Türen geben den Blick auf ein neuartiges Innenleben frei. Der weite Zugang und der saalartige Innenraum erinnern ein wenig an Rolls-Royce, doch die Herrschaften sitzen nicht länger in der zweiten Reihe. Stattdessen fehlt die Kutschkabine, das Servicepersonal hat den Leitstand geräumt und das übliche Bedien-Brimborium gleich mitgenommen. "Mit dem autonomen Fahren ergibt sich ein völlig neuer Anwendungsfall. Das hat große Konsequenzen dafür, wie ein Auto aussieht und was die Passagiere darin machen können", erläutert Lichte: "Das Auto wird zum Lebensraum: Der Fahrersitz kann mit 50 Grad Lehnenneigung zu einer Ruheposition während der Fahrt so zurückgelegt werden, dass man gleichzeitig die Füße hochlegen kann."

"Die Transformation, die gerade stattfindet, ist wirklich radikal. Die vergangenen 120 Jahre habe ich ein Auto vom Grundsatz her stets gleich bedient. Dementsprechend sehen Interieurs mit Blick auf ihre Ergonomie über alle Marken hinweg ähnlich aus", meint Marc Lichte. Tesla hat jedoch vorgemacht, wie man den Fahrerarbeitsplatz entrümpelt: raus mit Drehzahlmesser, Öltemperaturanzeige, Uhrwerk samt Rundenzeitmesser sowie all den kleinen Warnleuchten. Mit dem traditionellen Rennwagen-Cockpit kann auch das Head-up-Display verschwinden. In der neuen Mercedes S-Klasse hängt der Projektor fast kühlschrankgroß unter der Windschutzscheibe. Was den anderen Passagieren überhaupt nichts bringt, weil sie von dem Lichtspieltheater ausgeschlossen sind.Damit keine Bauteile den Blick versperren, muss auch die wuchtige Klimaanlage in den Vorderwagen wandern. Dort wird durch den Entfall des Verbrenners genügend Platz frei. Und siehe: Aus den schmalen Sichtschlitzen werden große Panoramafenster. Als optisches Gegengewicht zur dominanten Glaskabine, die scheinbar nahtlos ins Blech übergeht, bekommen die über fünf Meter langen Raumschiffe noch größere Räder. Fehlt zum Wohlfühlambiente nur noch die passende Sitzposition. Generationen von Fahrtrainern haben darauf bestanden, dass man mit angewinkelten Armen möglichst nah am Lenkrad hocken muss. Wie ein Rallyefahrer, der seine Rundenzeiten auf dem Weg zum Kindergarten oder Discounter perfektioniert. Zum Glück kann sich die gesamte Ergonomie mit der fortschreitenden Automatisierung ändern. Im Wohnzimmer sitzt ja auch niemand mit durchgedrücktem Rücken wie am Küchentisch oder auf dem Kutschbock.Stattdessen sorgen Klubsessel, die sich samt Fußauflage weit nach hinten fahren lassen, für eine neue Dimension des Reisekomforts. Lenkrad und Pedalerie ziehen sich in den Hintergrund zurück, während sich der arbeitslose Chauffeur in der Ruheposition räkelt. "Ich brauche das Auto bei Level 4 auf der Autobahn nicht mehr so zu bedienen, wie ich es heute mache. Folglich muss ich das Lenkrad und die Touchscreens nicht mehr permanent mit den Händen erreichen können", so Lichte. Also eher die Kabine eines Privatjets inklusive Aussichtskanzel. "Uns ist es wichtig, dass das Auto ein Riesensprung wird, technologisch ein sehr großer Hub in Sachen Batterie, Assistenzsysteme und Innenraum-Design", unterstreicht Audi-Chef Markus Duesmann.

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