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Autonomes Fahren: „Insassenschutz individualisieren und personifizieren“

Sehr interessantes Interview über veränderte Sitzpositionen beim Autonomen Fahren und daraus veränderten Anforderungen an das gesamte Insassenschutzsystem.

Norbert Kagerer: Mit Blick auf das autonome Fahren der Zukunft müssen wir über veränderte Innenräume und Insassenschutzeinrichtungen sprechen, die sich an neue Gegebenheiten adaptieren. Veränderte Sitzpositionen bedeuten mit Blick auf das autonome Fahren auch veränderte Anforderungen an das gesamte Insassenschutzsystem. Genau dies wollen wir mit dem SHI-Cockpit demonstrieren. Die dahinterstehende Idee ist, dass Sicherheitseinrichtungen auch anderweitig nutz- und kombinierbar sind. Etwa die Sensorik zur Umwelterkennung und die zur Innenraumüberwachung. Ein Ansatz dabei ist es, den Insassenschutz zu individualisieren und zu personifizieren, also einen optimalen Schutz für die jeweilige Situation zu schaffen. Ein Beispiel ist es, exakt zu erkennen, ob jemand auf dem Rücksitz sitzt und aus diesen Informationen bereits im Stadium des Pre-Crashs eine optimierte Sitzposition für genau diese Person abzuleiten und herzustellen. Dies bedeutet, zusätzliche Technik in ein Fahrzeug einzubauen, wie etwa eine Kamera. Die kann nicht nur für die Überwachung des Fahrers zuständig sein, sondern auch für alle anderen Passagiere im Fahrzeug. Aus den Kamerainformationen lassen sich dann wiederum Komfortfunktionen wie etwa ein bequemer Einstieg ableiten, indem das System etwa das Lenkrad hochfährt und den Sitz in eine entsprechende Position rückt.

ZF bringt System-Know-how bei der Sensorik sowie bei den Rückhaltesystemen ein. Was hat zu dieser Entwicklung geführt und ist das System für einen Einsatz über verschiedene Fahrzeugklassen hinweg gedacht?
Unser Ziel ist es, den Insassenschutz weiter zu verbessern. Das kostet Geld, denn wie eingangs erwähnt, kommt ja zusätzliche Technik ins Fahrzeug. Nehmen Sie den Käufer eines Oberklassefahrzeugs. Der darf von seinem Fahrzeug erwarten, dass es optimale Sicherheitstechnik an Bord hat. Wenn eine Zusatzausstattung mehrere Funktionen wie Sicherheit und Komfort bietet, wird er womöglich bereit sein, dafür Geld auszugeben. Ein Beispiel ist die Objekterkennung: Denken Sie an das im Fahrzeug vergessene Mobiltelefon bis hin zu wirklich gefährlichen Fällen, wenn ein Tier oder gar ein Kind im Fahrzeug zurückgelassen werden. Die Objekterkennung kann hier zusätzliche sehr sinnvolle Funktionen erfüllen. Daraus kann ein Zusatznutzen über autonome Fahrfunktionen hinaus entstehen und sich entsprechend vermarkten lassen. Wenn mit Blick auf das automatisierte Fahren zusätzliche Sensorik zum Einsatz kommt, die für eine Funktion unbedingt benötigt wird und diese zusätzlichen Einrichtungen zu weiteren Anwendungen beitragen können, dann gelangt man auch in eine Situation, solche Features zu lizensieren. Und womöglich lassen sich einzelne Funktionen auch in Stufen freischalten. Ein denkbares Modell dafür könnten Upgrades sein.

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