Connected Car: Einsichten in die Volkswagen Automotive Cloud

Interessantes Interview mit Heiko Hüttel von Volkswagen über die angekündigte Automotive Cloud mit Microsoft und das Volkswagen We Ökosystem.

Sie wollen also Teil des digitalen Alltags Ihrer Kunden werden. Mit anderen Worten: Sie wollen auf den Startbildschirm ihrer Smartphones. Wie gelingt das?Das gelingt uns nur dann, wenn wir uns fokussieren auf den Kunden und seine individuellen Bedürfnisse. Nehmen wir das Beispiel Elektroauto. Da muss ich laden können, ich muss den Strom bezahlen können, das Auto muss vor der Fahrt vorgeheizt werden, damit es eine bessere Reichweite hat, und so weiter. Umso stärker ich das automatisieren kann, umso größer ist der Nutzen für den Kunden. Wenn ich zum Beispiel laut Kalender das nächste Meeting in drei Stunden in Braunschweig habe und die Fahrt, basierend auf der aktuellen Verkehrslage, eine Stunde dauert, dann fängt das Auto, noch während es an der Steckdose hängt, eineinhalb Stunden vor Abfahrt eigenständig damit an, sehr langsam vorzuheizen.  Das spart Strom. So kann ich mich als Fahrer dann in ein vollaufgeladenes und vorgeheiztes Auto setzen und komme pünktlich zu meinem Termin. So etwas sind überzeugende Dienstleistungen, die ich nicht irgendwo anders kriege, weil sie direkt mit dem Auto zusammenhängen.Hinter diesen sehr einfachen Diensten stehen wie gesagt sehr komplexe Prozesse. Steuert die in Zukunft eine künstliche Intelligenz?Irgendwann in der Zukunft übernimmt das eine Art digitaler Assistent. Da sind wir heute noch nicht. Es ist zum Beispiel wahnsinnig wichtig, dass die User Experience, also das Nutzer-Erlebnis der digitalen Dienste und Angebote, überall einheitlich und aus einem Guss ist. Die Technik muss der User Experience dienen! Das müssen wir in einigen Bereich noch lernen. Fest steht: Mit der Devise „Technik sucht Anwendung“ kommen wir nicht mehr weiter. Umgekehrt muss es gehen. Die Veränderungen, die wir dazu im Denken und in der Arbeitsweise vollziehen müssen, sind grundlegend.Welche Rolle spielt hierfür die Ende 2018 verkündete Technologie-Partnerschaft zwischen Volkswagen und Microsoft?Diese Partnerschaft zielt auf die Frage: Wie kriege ich einen Kickstart für die Technologie hin? Wie bekommen wir standardisierte Software ins Fahrzeug und auf unsere Cloud-Anwendungen, so dass wir schneller arbeiten können? Wie schaffen wir eine Plattform, die das Fahrzeug einschließt? Gibt es auf diese Fragen bereits Antworten?Da stecken viel Hirnschmalz und Kompetenz im Bereich Software dahinter. Darüber hinaus haben wir uns strategisch weiter verstärkt, beispielsweise mit der Beteiligung an Wireless Car. Hier geht es um die Vernetzung der Autos. Mit diconium schließlich bauen wir die E-Commerce-Lösung, gewissermaßen das digitale Einkaufszentrum, in dem alle Angebote und Services verfügbar sein werden.  Die Bausteine für die weltweiten Ausbreitung der Automotive Cloud haben wir damit gesetzt. Die Automotive Cloud baut Volkswagen zusammen mit Partnern wie Microsoft.Wandelt sich der Automobilhersteller zum Software-Unternehmen?Wir haben in der Nähe von Microsoft in Seattle ein neues Unternehmen gegründet, das gemeinsam mit Microsoft an dieser neuen Plattform arbeitet. Wir haben das bewusst dort angesiedelt, denn natürlich sollen und wollen wir auch von der Arbeitsorganisation und -modellen der IT-Welt lernen. Es geht uns also um Technologie, aber auch um Digitalkultur. Volkswagen. wird Startup?Nein, das nicht. Das wollen wir auch gar nicht. Aber in der Software-Welt gilt eben eine einfache Devise: Wir müssen von der Produktzentrik zur Kundenzentrik kommen. Bei Autos ist es heute genau genommen ähnlich. Software wird heute viel schneller weiterentwickelt und ständig aktualisiert. Auch bei Autos lässt sich das deutlich beschleunigen, wenn wir Hardware, Software und Services trennen. Da können wir schon in wenigen Wochen mit einem Update oder einem neuen Service vor dem Kunden sein.Naiv gefragt: Warum investiert Volkswagen eigentlich in die Digitalisierung? Warum überlässt Volkswagen die Software nicht den Software-Unternehmen und kauft Innovationen einfach ein? Es geht um eine einfache Frage: Will ich in Zukunft Hardware-Lieferant sein und Fahrzeuge bauen, während andere an der Software und Diensten mitverdienen? Oder mache ich das selbst? Würden wir uns nur auf das Bauen der Fahrzeuge konzentrieren, könnte es uns passieren, dass jemand ums Eck kommt, der das besser kann. Und das ist nicht unser Anspruch. Wir haben die Ressourcen, beides zu können: Hardware und Software. Es geht uns also darum, exzellente Fahrzeuge zu entwickeln, zu bauen und zu verkaufen – und einen wachsenden Kosmos an digitalen Services und Angeboten für unsere Kunden aufbauen.  

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Quelle: newsandevents.volkswagenag.com