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Elektromobilität: Das Design bei VW wird symphatisch, dezent und puristisch

Sehr interessantes Interview mit Volkswagen’s Chefdesigner Klaus Bischoff über die Veränderungen beim Design im Zeitalter der Elektromobilität. Must read!

Herr Bischoff, durch die Elektromobilität ändert sich auch die Arbeit von Autodesignern grundlegend. Was ist besonders neu für Sie?

Eigentlich ändert sich fast alles. Die Karten werden gerade neu gemischt – vom Handwerkszeug bis tief ins Produkt hinein. Es beginnt damit, dass ein Element, das von Beginn an die Gesetze des Autodesigns dominiert hat – der Verbrennungsmotor –, aus der Gleichung genommen wird. Dadurch entsteht ein neues Territorium, eine neue Freiheit, die es jetzt zu nutzen gilt. Für einen Autodesigner gibt es nichts Aufregenderes.

Ein E-Auto hat keinen großen Motor mehr, dafür eine große Batterie an zentraler Stelle im Fahrzeugboden. Was bedeutet das fürs Design?

Bislang wurde rund ein Drittel des Fahrzeugkörpers vom Motor eingenommen – daher die klassische Motorhaube mit Kühlergrill. Dahinter kamen Insassen und Kofferraum: ein Layout, das wir über Dekaden weiterentwickelt haben. Jetzt entsteht in einem Drittel des Fahrzeugs ein Vakuum, das es auszufüllen gilt. Darüber hinaus hat das Fahrzeug ein anderes Fundament, auch das verändert vieles, zum Beispiel sitzt man im E-Auto höher. All das erhöht aber unterm Strich unseren Freiheitsgrad beträchtlich. Auf der Bodenplatte, in welche die Batterie eingelassen ist, können wir relativ frei Insassen anordnen und das Kleid drumherum maßschneidern. Das ermöglicht völlig neue Produktcharaktere.

Die schwere Batterie im Unterboden wirkt sich ja auch auf die Fahreigenschaften des Autos aus. E-Autos haben einen besonders niedrigen Schwerpunkt.

Genau. Auch im Innenraum ergeben sich so mehr Freiheiten. Bislang mussten ja auch Antriebsstrang und Räder gekoppelt werden, es gab immer den Mitteltunnel für die Kardanwelle. Das ist vorbei und schafft ungeahnten Spielraum im Innendesign. Durch Digitalisierung und Connectivity können wir dem Kunden völlig neue Erlebniswelten, neue Bedien-philosophien und insgesamt ein ganz anderes Fahrgefühl bieten.

In den vergangenen Jahrzehnten war das Autodesign stark von den Vorgaben aus Aerodynamik und Windkanal definiert. Schwindet dieser Einfluss in der E-Ära? Oder anders gefragt: Werden E-Autos möglicherweise markanter und unterschiedlicher aussehen?

Ich glaube auf jeden Fall, dass wir im E-Design einen Entwicklungssprung sehen werden, der mit den neuen Technologien korrespondiert. Diese Ära bietet uns Autodesignern die Chance, disruptiver zu agieren, Routinen infrage zu stellen und neue Territorien zu erkunden.

Kann man sagen, dass in der E-Ära der Innenraum eines Fahrzeugs immer wichtiger wird? Auch weil sich das Auto als Lebensraum weiterentwickelt und digitale Fähigkeiten neue Potenziale bieten?

Ja. Das Auto wandelt sich vom Fahrerarbeitsplatz, also einer ergonomisch-durchoptimierten Maschinensteuerung, hin zum voll vernetzten Wohnzimmer. Voluminöse Einbauten werden im Zuge der Digitalisierung leichter, schlanker, kleiner. Die Klimaanlage nimmt nicht mehr so viel Raum ein, weil sie großenteils in den früheren Motorraum wandert. Das alles ergibt großzügigere, wertigere Innenräume. Noch brauchen E-Autos Rückhalte- und Sicherheitssysteme. In der weiteren Zukunft wird sich das aber durch autonomes Fahren erledigen – und so noch deutlich mehr Design-Freiheit schaffen.

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