Elektromobilität: “Das ist ein Quantensprung”

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Sehr interessantes Interview über die neueste Batterietechnologie, die Tesla am Battery Day vorgestellt hat.

SPIEGEL: Was für eine Batteriezelle hat Tesla genau präsentiert?
Fichtner: Eine neue Rundzelle. Bisher stecken in Tesla-Batterien Rundzellen, die etwas größer sind als die Batterien einer klassischen Taschenlampe. Darin steckt eine aufgerollte Metallfolie mit einer Paste darauf, das ist das eigentliche Speichermaterial. Am Ende dieser Rolle befindet sich eine Lasche. Wenn ich die Batterie lade oder entlade, muss der Strom über die Lasche die gesamte Wicklung durchlaufen. Tesla hat es jetzt geschafft, diese Rolle quer zu verbinden und die Lasche überflüssig zu machen.

SPIEGEL: Das klingt vergleichsweise banal, welchen Effekt hat das?
Fichtner: Der Weg für den Strom wird deutlich kürzer und Tesla kann die Größe der Zelle auf die einer kleinen Bierdose erhöhen. Das würde eigentlich kein Hersteller machen, da beim Schnellladen sonst die Wärme nicht aus der Zelle herauskommt. Durch das Design ohne Lasche und die kürzeren Wege ist aber der Widerstand geringer, es wird kaum noch Wärme erzeugt. Allein durch das Format sind 16 bis 18 Prozent höhere Reichweiten möglich, gleichzeitig kann so ein System bis zu sechsmal schneller geladen werden. Das ist ein Quantensprung.

SPIEGEL: Ist ein Elektroauto im Jahr 2022 durch solche Fortschritte komfortabler und nutzwertiger als ein Verbrenner?
Fichtner: Ja, aber das könnte auch schon früher passieren, nur nicht unbedingt durch Tesla. Der chinesische Hersteller BYD hat nun einen Pkw mit einer sehr dünnen Lithiumeisenphosphat-Batterie vorgestellt, mit 600 Kilometern Reichweite und einem Preis von rund 32.000 US-Dollar. Eine solche Batterie ist sehr sicher und frei von Nickel und Kobalt, brauchte aber früher viel Platz und war deshalb lange keine Option für normale Pkw. BYD hat es nun geschafft, den Raumbedarf um die Hälfte zu verringern. Diese Batterie ist günstig und könnte Elektroautos nochmal deutlich sicherer machen, obwohl Batteriefahrzeuge bereits heute pro gefahrenen Kilometer 45 mal seltener in Brand geraten als Verbrenner-Pkw.

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