Elektromobilität: Das neue Auto ist ein elektrisch angetriebenes „Tablet on Wheels“

Sehr interessantes Interview mit Christian Senger über die Softwareentwicklung bei Volkswagen. Lesenswert!

Wieso entwickelt Volkswagen eigene proprietäre Lösungen und setzt nicht auf Kooperationen mit großen IT-/Tech-Unternehmen wie Google oder Apple?
Christian Senger: Wir haben im Volkswagen Konzern das technologische Know-how und die notwendige Größe für ein eigenes Fahrzeug-Betriebssystem. Bei Software – das gilt erst recht für eine Plattformlösung – zählt allein Skalierung. Und unsere Konzernflotte hat ein enormes Potenzial für beträchtliche Skaleneffekte. Daher ergibt eine Eigenentwicklung für uns Sinn. Außerdem gibt es da noch die Datenfrage. Wer sich das System eines IT-Riesen ins Auto holt, holt sich den IT-Riesen ins Auto. Das gilt es sorgfältig und im Sinne unserer Kunden abzuwägen.

Wieso versuchen die deutschen/europäischen OEMs nicht, sich auf einen Industriestandard zu einigen?
Christian Senger: Die Automobilbranche ist recht heterogen. Ein Beispiel sind die alternativen Antriebe. Wir bei Volkswagen setzen aus mehreren guten Gründen auf den batterieelektrischen Antrieb. Andere gehen diesen Weg nicht so konsequent. Wie soll das erst bei einem automobilen Betriebssystem funktionieren? Hier geht es um Software, die tief ins Auto hineinreicht und dadurch eben auch im Wettbewerb differenziert. Wir konzentrieren uns in der Entwicklung deshalb erst einmal auf uns.

Sie sagten, dass bis 2025 mehr als 10.000 Experten in Ihrer Car.Software-Organisation zusammenarbeiten sollen. Kann die Autoindustrie in Sachen Arbeitgeberattraktivität denn mit IT-Unternehmen mithalten, wenn jetzt alle die gleichen Talente suchen?
Christian Senger: Wir sehen, dass die Automobilbranche für viele IT-Experten einen großen Reiz hat. Unsere Aufgaben sind spannend, die Entwicklung hin zum Tech-Unternehmen Volkswagen ist in vollem Gange. Und nun wollen wir den führenden Software-Stack für das Auto der Zukunft entwickeln. Das zieht. Genau daran setzen wir mit der Car.Software-Organisation an. Wir richten sie voll auf die Anforderungen moderner Software-Entwicklung aus, losgelöst von den Arbeitsmodellen des Maschinenbaus. So wollen wir immer mehr Talente und Experten für uns gewinnen. Der nächste spannende Schritt ist für uns, eine eigene Sprache und Kultur, eine „Markenidentität“ für Software im Volkswagen Konzern zu entwickeln.

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