Start > Elektromobilität > Elektromobilität: Was hat Daimler beim EQC gelernt?

Elektromobilität: Was hat Daimler beim EQC gelernt?

Sehr interessantes Interview mit Jochen Hermann, Leiter Entwicklung E-Drive bei Daimler, was man aus der Entwicklung des elektrischen SUV EQC gelernt hat, wo Mercedes bei den Batterien seine Kernkompetenz sieht und warum auch der E-Antrieb markenspezifisch ist.

Porsche hat beim Taycan sehr viel Verantwortung bei den Batteriemodulen an Systemlieferanten weitergegeben. Wie stark binden Sie Partner ein, und wie hoch ist der Inhouse-Anteil beim E-Antrieb?
Als Entwickler bin ich der festen Überzeugung, dass man immer im letzten Detail drin stecken muss. Dann gibt es Umfänge, die man lieber selbst macht. Es stellt sich also die Frage, was ich selbst produziere und was ich von einem Partner, mit dem ich gemeinsam entwickle, einkaufe. Das ist gelernte Praxis. Entwicklungsseitig sollten Sie wie gesagt in allen Details drin stecken. Das gilt vor allem in der Anfangszeit. Batterien sind nicht neu, aber sie sind die Komponenten, die in den nächsten 10 bis 15 Jahren die größte Veränderung erfahren dürften. Die Entwicklung und Produktion von Batteriesystemen gehört entsprechend zu unseren Kernkompetenzen. Zellen hingegen kaufen wir aktuell auf dem Weltmarkt zu.

Bei der Zellchemie erwartet Daimler große Entwicklungssprünge, insbesondere innerhalb eines Produktlebenszyklus. Daraus resultieren auch Geschäftsmodelle für Updates oder Verbesserungen bei Facelifts. Schreckt man dann womöglich Kunden ab, die lieber auf die verbesserte Version warten, als ein Update zukaufen zu müssen?
In der Industrie gibt es ein gewisses Regulativ: Sie machen nicht jedes Jahr eine neues Auto. Natürlich wird sich die Batterie in den nächsten Jahren immer weiter verbessern und auch hinsichtlich der Technologien verändern. Aber als Hersteller müssen Sie auch schauen, wie Sie mit dieser Varianz umgehen. Wir sehen in der Theorie, dass die Effizienz der Zelle in jedem Jahr um einen gewissen Prozentsatz steigt. Das ist natürlich eine statistische Betrachtung. Unsere Zelllieferanten kommen deshalb nicht jedes Jahr mit einem neuen Produkt. Doch wenn man sich die Daten anschaut, sieht man den Gradient.
Aber auch der Lieferant sagt dann, dass er die Batterie erst einmal drei Jahre erproben muss. Zumal für das Produkt ja immer Zertifizierungen nötig sind und die Software mit den neuen Zellen funktionieren muss etc. Da der Aufwand ein gewisses Maß nicht unterschreiten kann, wird es nicht passieren, dass jedes Jahr eine neue Zelle kommt. Statistisch werden die Zellen aber günstiger und performanter. Es wird ähnlich wie bei den Verbrennern nach drei bis vier Jahren eine neue Variante geben. Alles andere wäre zu aufwendig.

Keine News mehr verpassen! Jetzt den  Newsletter abonnieren .
Quelle
Menü schließen